Das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur-Block - Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay - gilt vorläufig ab dem 1. Mai. Nach Angaben der Europäischen Kommission wird durch das Abkommen eine Handelszone mit rund 700 Millionen Menschen geschaffen.

Die Verhandlungen begannen im Jahr 2000 und führten am 6. Dezember 2024 zu einer politischen Einigung. Die EU-Länder haben das Abkommen am 9. Januar 2026 formell gebilligt.

Das Abkommen bedarf noch der formellen Zustimmung des Europäischen Parlaments, bevor es vollständig in Kraft treten kann.

Die wichtigsten wirtschaftlichen Maßnahmen des Abkommens

Mit dem Abkommen werden die Zölle auf mehrere EU-Ausfuhren in die Mercosur-Länder gesenkt, z. B. auf Autos, Maschinen und Arzneimittel. Auch die Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Schokolade, Olivenöl, Käse, Wein und Spirituosen werden gesenkt.

Unternehmen aus der EU können sich um staatliche Aufträge des Mercosur bewerben, und allein der brasilianische Markt für staatliche Aufträge wird auf mehr als 8 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Kritische Rohstoffe und Handelsprognosen

Der Kommission zufolge wird das Abkommen dazu beitragen, den Zugang zu kritischen Rohstoffen zu sichern, die im Zusammenhang mit der grünen und digitalen Transformation stehen, und das Dokument hebt auch die Einfuhren von Niob hervor, das in supraleitenden Magneten für Kernspintomographen und zur Krebsbehandlung verwendet wird.

Schätzungen der Kommission zufolge könnte das Abkommen das BIP der EU bis 2040 um mehr als 77,6 Milliarden Euro und die jährlichen Ausfuhren um bis zu 50 Milliarden Euro steigern. Die Kommission schätzt außerdem, dass durch das Abkommen bis zu 600.000 Arbeitsplätze in Europa geschaffen werden könnten.

Erwartete Auswirkungen auf Handel und Exporte

Nach Ansicht der Kommission wird das Abkommen Handelshemmnisse abbauen, Geschäftsmöglichkeiten schaffen, Wirtschaftspartnerschaften stärken und einen regelbasierten Handel unterstützen.

Im Jahr 2023 exportierte die EU Dienstleistungen im Wert von 29 Milliarden Euro und machte 16,9 Prozent des Mercosur-Handels aus. Im Jahr 2024 exportierte die EU Waren im Wert von 55 Milliarden Euro in die Länder des Mercosur. In dem Dokument heißt es außerdem, dass das Abkommen die wirtschaftliche Sicherheit stärken, Wertschöpfungsketten zwischen den Regionen integrieren und die Wettbewerbsfähigkeit auf den globalen Märkten fördern könnte.

Lebensmittelsicherheit und landwirtschaftliche Maßnahmen

Das Abkommen sieht auch Kontingente und schrittweise Zollsenkungen für verschiedene Agrarimporte aus den Mercosur-Ländern vor.

Nach Angaben der Europäischen Kommission handelt es sich dabei um 99.000 Tonnen Rindfleisch, die zu ermäßigten Zöllen eingeführt werden, 180.000 Tonnen Geflügelimporte, die über einen Zeitraum von fünf Jahren schrittweise eingeführt werden sollen, und 450.000 Tonnen Ethanol, die auf die Verwendung in der chemischen Industrie beschränkt sind.

Das Abkommen erlaubt auch 60.000 Tonnen Reisimporte und 45.000 Tonnen Honigimporte, die beide über einen Zeitraum von fünf Jahren schrittweise eingeführt werden sollen.

Die Kommission erklärt, dass alle importierten Lebensmittel weiterhin den EU-Vorschriften für Lebensmittelsicherheit und Hygiene entsprechen müssen, einschließlich verstärkter Inspektionen und Grenzkontrollen, und dass die EU weiterhin für die Einhaltung der Lebensmittelsicherheitsstandards zuständig ist.

Schutzmaßnahmen und Nachhaltigkeitsverpflichtungen

Die Kommission erklärt, dass im Rahmen des nächsten langfristigen Haushaltsplans der EU ein Sicherheitsnetz in Höhe von 6,3 Milliarden Euro für den Fall von Marktstörungen zur Verfügung stehen wird, von denen Landwirte betroffen sind. Dies bedeutet, dass Schutzmaßnahmen ergriffen werden können, wenn der Anstieg der Importe die EU-Agrarwirtschaft bedroht.

Das Abkommen enthält auch Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Pariser Klimaabkommen, dem Schutz der biologischen Vielfalt, der Bekämpfung der Entwaldung, den Arbeitnehmerrechten und einem verantwortungsvollen Geschäftsgebaren.

Bestehende Handelsbeziehungen mit Lateinamerika

Die EU hat bereits Handelsabkommen mit den meisten lateinamerikanischen Ländern geschlossen, aber das EU-Mercosur-Abkommen erweitert die Handelsbeziehungen speziell mit dem Mercosur-Block, dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angehören.

Nach Angaben der Europäischen Kommission stammten im Jahr 2025 rund 13 Prozent der EU-Importe aus den Mercosur-Ländern, wobei die wichtigsten Importe landwirtschaftliche Erzeugnisse, Viehzuchtprodukte, lebensmittelbezogene Waren und pflanzliche Exporte umfassen.