Wie „Morocco World News“ berichtet, hat die Partei einen offenen Brief an Ministerpräsident Luís Montenegro und den Präsidenten des portugiesischen Fußballverbands, Pedro Proença, gerichtet, in dem sie Portugal dazu auffordert, gemeinsam mit Spanien eine überarbeitete Ausrichtungsvereinbarung anzustreben, bei der die beiden iberischen Staaten den Wettbewerb ohne Marokko ausrichten würden.

Politische Debatte

Dieser Appell folgt auf die Migrationskrise der vergangenen Woche in Ceuta, bei der Zehntausende Migranten versuchten, von Marokko aus auf spanisches Territorium zu gelangen. Der Vorfall forderte Dutzende Todesopfer; nach Angaben der Behörden ist die Zahl der Todesopfer auf über 80 gestiegen, was eine breite politische Debatte in ganz Europa ausgelöst hat.

Die fünf Abgeordneten von „Livre“ betonten, dass die weitere Rolle Marokkos als Gastgeberland nun „unhaltbar“ sei. Sie warfen Rabat vor, internationale Menschenrechtsstandards nicht einzuhalten, und beschuldigten die marokkanischen Behörden, schutzbedürftige Migranten als politisches Instrument zu missbrauchen.

Marokko wies diese Vorwürfe jedoch zurück und beharrte darauf, dass die Massenbewegung größtenteils durch Falschinformationen in den sozialen Medien und Fehlinterpretationen eines spanischen Gerichtsurteils angeheizt worden sei, während die Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben gehandelt hätten, um irreguläre Migration zu verhindern.

Aufnahmerecht

Im Gespräch mit dem portugiesischen Sender RTP bezeichnete der Sprecher von „Livre“, Jorge Pinto, die Ereignisse in Ceuta als „den letzten Tropfen“, der das Fass zum Überlaufen brachte, und argumentierte, Portugal dürfe nicht mit dem in Verbindung gebracht werden, was er als Normalisierung von Gewalt an den Grenzen und politischem Druck durch Migration bezeichnete. Er kritisierte zudem die Führung der FIFA unter Präsident Gianni Infantino und stellte die Transparenz des Verfahrens zur Vergabe der Austragungsrechte für große Turniere in Frage.

Die Partei fordert die portugiesische und die spanische Regierung sowie die EU und die UEFA nachdrücklich auf, eine gemeinsame Position zu beziehen, die Portugal und Spanien als alleinige europäische Gastgeber des Turniers unterstützt. Zudem forderte sie den portugiesischen Fußballverband auf, sich in dieser Frage mit seinem spanischen Pendant abzustimmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass „Livre“ Bedenken hinsichtlich der Beteiligung Marokkos an der Weltmeisterschaft 2030 äußert. Bereits während des Bewerbungsverfahrens kritisierte die Partei Marokkos Haltung zur Westsahara und äußerte Bedenken wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen.

Unterzeichnete Vereinbarung

Trotz der politischen Kritik gehen die Vorbereitungen für das Turnier weiter.

Portugal, Spanien und Marokko unterzeichneten Anfang dieses Jahres offiziell eine trilaterale Absichtserklärung, um die justizielle Zusammenarbeit und Koordination im Vorfeld des Turniers zu verstärken, das die erste FIFA-Weltmeisterschaft sein wird, die sowohl in Europa als auch in Afrika ausgetragen wird.

Unterdessen hat Marokko den Bau des „Grand Stade Hassan II“ in der Nähe von Casablanca vorangetrieben, eines geplanten Stadions mit 115.000 Plätzen, das voraussichtlich zu einem der größten Fußballstadien der Welt werden wird und als führender Kandidat für die Ausrichtung des WM-Finales 2030 gilt.

Die FIFA hat noch nicht bekannt gegeben, wo das Endspiel des Turniers ausgetragen wird.