Am westlichen Rand von São Miguel liegt Sete Cidades, ein Vulkankrater, der mehr an einen Mythos als an Geologie erinnert. Der Legende nach wurden die beiden Seen in seinem Herzen - ein grüner und ein blauer - durch die Tränen einer grünäugigen Prinzessin und eines blauäugigen Hirten gebildet. Ihr Vater, der König von Atlantis, verbot ihnen, zusammen zu sein, und so füllte ihr letzter Abschied die Krater mit den Farben ihres Liebeskummers.

Die wissenschaftliche Realität ist jedoch eine Geschichte voller Tiefe und Leben. Obwohl sie als "Zwillinge" erscheinen, sind sie in Wirklichkeit ein einziger Wasserkörper. Der grüne Teil verdankt seine Farbe einer hohen Konzentration von Algen und Nährstoffen, die von den umliegenden üppigen Hängen gespeist werden. Im Gegensatz dazu ist der blaue Teil viel tiefer und klarer; seine große Tiefe streut das blaue Spektrum des Sonnenlichts zurück an die Oberfläche. Ob aus dem alten Atlantis oder durch die stille Arbeit der atlantischen Algen entstanden, der Übergang in dieses friedliche Tal ist eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele. Und ein Wunder der Azoren.