Während die prächtige Fassade im neo-manuelinischen Stil des Bahnhofs Rossio die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zieht, verbirgt sich auf seinen Bahnsteigen eine zutiefst philosophische, in Kunst verkörperte Welt.
Eine atemberaubende Serie von 14 Azulejo-Tafeln (Keramikfliesen) des Meistermalers Lima de Freitas, die 1995 angebracht wurde, säumt die Wände und verwandelt einen geschäftigen Verkehrsknotenpunkt in eine esoterische Reise durch die zentralen Legenden und Mythen Lissabons.
Das absolute Highlight dieser Sammlung ist die tiefgründige Hommage an die literarische Ikone Fernando Pessoa und das prophetische Konzept des „Quinto Império“ (Fünftes Reich).
Eines der berühmtesten Wandbilder mit dem Titel „Pessoa e o caminho da serpente“ (Pessoa und der Weg der Schlange) verbindet auf wunderschöne Weise das unverwechselbare Profil des Dichters mit vielschichtigen Symbolen. Freitas wählte diese Motive bewusst aus, um die spirituelle, visionäre Zukunft der portugiesischen Kultur heraufzubeschwören, für die sich Pessoa in seinen Schriften so berühmt einsetzte.
Wer an diesen Wänden vorbeieilt, ohne anzuhalten, verpasst einen brillanten, stillen Dialog zwischen Literatur und bildender Kunst. Auch wenn man keinen Zug verpasst. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf das zu werfen, was Lima de Freitas hier geschaffen hat.

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