Ich habe diesen Stoff immer für umweltfreundlich gehalten, aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich bin zwar keine Modeexpertin, aber Produkte aus Viskose werden oft als umweltfreundlichere Alternative zu anderen Stoffen wie Polyester (hergestellt aus Erdöl) und herkömmlicher Baumwolle (ein Produkt, für dessen Anbau viel Wasser und Pestizide benötigt werden) angepriesen.

Viskose fühlt sich angenehm an, da sie weich und atmungsaktiv ist, und es handelt sich um einen halbsynthetischen Stoff aus Zellulose, einem natürlichen Strukturmaterial, das in den Zellwänden von Pflanzen und Bäumen vorkommt. Zu den Rohstoffen gehört typischerweise Zellstoff aus Bäumen wie Buche, Kiefer, Eukalyptus oder Bambus. So weit, so gut – hergestellt aus natürlichen Produkten. Viskosefasern sind auch als Rayon bekannt, das das Aussehen und die Haptik von Seide nachahmt und in der Textilherstellung häufig verwendet wird, um seidenähnliche Kleidung, Polster, Einrichtungsstoffe und andere Materialien herzustellen. Viskose ist biologisch abbaubar, verbessert den Fall und ist sehr nachhaltig.

Zwar ist das Ausgangsmaterial vollkommen natürlich, doch erfordert der Herstellungsprozess eine umfangreiche chemische Behandlung, um den starren Zellstoff in weiche, tragbare Fasern umzuwandeln, und er wird dabei recht aggressiv behandelt, bevor er schließlich zu diesem schönen Material wird. Ein Nachteil ist, dass es eine schonende Pflege erfordert, da es bei Nässe an Festigkeit verliert und zum Einlaufen neigt. Ein weiterer Nachteil ist, dass es leicht knittert – und meiner Meinung nach ist Bügeln eine Verschwendung von wertvoller Zeit und Strom.

Es werden Chemikalien verwendet

Bei der Herstellung von Viskose wird das Holz – egal aus welcher Quelle – zerkleinert und in Chemikalien aufgelöst, um eine holzhaltige Zellstofflösung zu erzeugen. Der Zellstoff wird anschließend gewaschen, gebleicht und mit weiteren Chemikalien behandelt, wodurch er sich in eine dickflüssige, honigartige Masse verwandelt. Diese Flüssigkeit wird durch Spinndüsen gepresst und anschließend in einem Säurebad (noch mehr Chemikalien) verfestigt, um „regenerierte Zellulose“-Fasern zu erzeugen. Diese neu gebildeten Fasern werden dann zu Garn versponnen und zu dem als Viskose bekannten Stoff gewebt.

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Es scheint keine festgelegte Obergrenze für die Anzahl der verwendeten Chemikalien zu geben, doch für die Herstellung sind Dutzende von Chemikalien erforderlich. Vier Hauptchemikalien treiben den Prozess an: Natriumhydroxid (Ätznatron) wird zum Einweichen und Auflösen der pflanzlichen Zellulose verwendet, Schwefelkohlenstoff (eine flüchtige, hochentzündliche und giftige Flüssigkeit) dient dazu, die aufgelöste Zellulose in eine flüssige Spinnlösung umzuwandeln, und Schwefelsäure wird eingesetzt, um die Flüssigkeit wieder in feste Fasern umzuwandeln. Bleichmittel wird zum Aufhellen und Reinigen verwendet, und auch weitere Stoffe wie Ammoniak, Aceton sowie verschiedene synthetische Farbstoffe und Weichmacher kommen häufig zum Einsatz.

Offenbar wird fast die gesamte Viskose weltweit an nur einer Handvoll Standorten in China, Indien und Indonesien hergestellt, und an all diesen Orten stellten Forscher fest, dass Hersteller unbehandeltes Abwasser in lokale Seen und Gewässer einleiteten, wobei die daraus resultierende Verschmutzung verheerende Auswirkungen auf die Lebensqualität Tausender Einheimischer hatte. Während viele Fast-Fashion-Marken Viskose als nachhaltige Alternative zu Seide vermarkten, ist die ökologische Realität nach wie vor äußerst besorgniserregend.

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Eine Alternative zu Viskose ist Lyocell oder Tencel

Lyocell, oder wie es häufiger genannt wird, Tencel, ist ein Stoff, für den ebenfalls ähnliche Naturfasern verwendet werden, doch der Herstellungsprozess ist anders und umweltfreundlicher, da in der Regel ein geschlossenes Produktionssystem zum Einsatz kommt (was bedeutet, dass Ressourcen wiederverwendet und nicht verschwendet werden) und die giftigen Chemikalien durch eine ungiftige organische Verbindung ersetzt werden.
TENCEL™ ist eine eingetragene Marke des österreichischen Unternehmens Lenzing AG, die die Herstellung der Textilfasern Lyocell und Modal zertifiziert: zwei künstliche Stoffe natürlichen Ursprungs, die jeweils aus Eukalyptus- und Buchenpflanzen gewonnen werden. Sie fühlen sich weich an und nehmen Feuchtigkeit besser auf als Baumwolle, wodurch sie sehr atmungsaktiv sind und angenehm auf der Haut liegen. Allerdings haben sie auch Nachteile – vor allem höhere Kosten, empfindliche Pflegeanforderungen und Hitzeempfindlichkeit: Sie neigen dazu, in heißem Wasser oder bei hohen Temperaturen im Trockner einzulaufen, verlieren im nassen Zustand an Festigkeit und sind teurer als herkömmliche Baumwolle.

Positiv zu vermerken ist, dass beide biologisch abbaubar sind – da sie aus pflanzlicher Zellulose gewonnen werden, reduzieren sie die Ansammlung von Mikroplastik im Vergleich zu vollständig synthetischen Materialien wie Polyester.

Man bekommt, wofür man bezahlt; man trifft seine Wahl. Eine umweltfreundliche Herstellung hat doch sicherlich die Nase vorn, oder?