In einer am 9. Juli veröffentlichten Erklärung teilte die Fluggesellschaft mit, dass der Bericht des französischen Senats zu dem Ergebnis gekommen sei, dass das französische Flugsicherungssystem „das schlechteste in Europa“ geworden sei, wobei die Verspätungen im Vergleich zu 2019 um rund 60 % zugenommen hätten. Ryanair erklärte außerdem, der Bericht schätze, dass diese Verspätungen die Fluggesellschaften im Jahr 2025 rund 800 Millionen Euro kosten würden. Die Billigfluggesellschaft argumentiert, die Europäische Kommission habe jahrelang über Möglichkeiten zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrt diskutiert, ohne sinnvolle Reformen zur Verringerung von Verspätungen einzuführen.

Laut Ryanair haben die Fluggesellschaften die Kommission wiederholt aufgefordert, von den Flugsicherungsdienstleistern zu verlangen, dass sie für die erste Abflugwelle jeden Morgen genügend Personal bereitstellen. Die Fluggesellschaft fordert zudem, dass Flüge, die lediglich den Luftraum eines Landes durchqueren, während nationaler Streiks der Flugsicherung geschützt werden, da dies eine Ausbreitung der Störungen auf ganz Europa verhindern würde.

Das Thema ist auch für Reisende wichtig, die von und nach Portugal fliegen. Selbst wenn Flüge nicht in Frankreich landen, durchqueren viele Strecken den französischen Luftraum, was bedeutet, dass Verspätungen oder Arbeitskampfmaßnahmen dort Auswirkungen auf weite Teile Europas haben können, insbesondere während der geschäftigen Sommersaison.

Ryanair-Chef Michael O’Leary sagte, die Kommission habe trotz wiederholter Aufforderungen seitens der Fluggesellschaften nicht gehandelt. Er warf Brüssel vor, Reformen zu verzögern, von denen die Branche glaubt, dass sie die Pünktlichkeit verbessern und Beeinträchtigungen für die Passagiere verringern würden. Die jüngsten Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatte über die Initiative „Einheitlicher europäischer Luftraum“, ein EU-Projekt zur Modernisierung der Verwaltung des europäischen Luftraums. Die Europäische Kommission vertritt seit langem die Auffassung, dass ein stärker integriertes System Verspätungen verringern, den Treibstoffverbrauch senken und Emissionen reduzieren würde, da Flugzeuge dadurch direktere Routen fliegen könnten. Die Fortschritte wurden jedoch durch Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedstaaten darüber gebremst, wie die Flugsicherung organisiert werden sollte.

Verzögerungen durch die Flugsicherung sind in den letzten Sommern europaweit zu einem immer häufiger auftretenden Problem geworden, wobei die Fluggesellschaften Personalmangel, steigendes Verkehrsaufkommen und Arbeitskämpfe als einige der Hauptursachen nennen. Frankreich stand aufgrund seiner strategischen Lage im europäischen Luftraum oft im Zentrum der Störungen.

Während Ryanair erneut die Europäische Kommission dafür verantwortlich macht, wird die umfassendere Herausforderung der Reform des fragmentierten europäischen Flugsicherungsnetzes bereits seit Jahren diskutiert und bleibt eines der größten ungelösten Probleme der Luftfahrtbranche.