Der Preis, der jährlich vom österreichischen Bundesministerium für Wohnungswesen, Kunst, Kultur, Medien und Sport verliehen wird, würdigt Autoren, deren Werk einen bedeutenden Einfluss auf die europäische Literatur hatte. Zu den bisherigen Preisträgern zählen international renommierte Schriftsteller wie Margaret Atwood, Mircea Cărtărescu, Javier Marías und Maggie O’Farrell.
Die Jury lobte Jorge für sein Gesamtwerk, das sich durch literarische Tiefe, die Auseinandersetzung mit Identität und Geschichte sowie die Fähigkeit auszeichnet, universelle Themen anzusprechen und dabei fest in der portugiesischen Gesellschaft verwurzelt zu bleiben.
Eine der führenden literarischen Stimmen Portugals
Lídia Jorge wurde 1946 in der Algarve-Stadt Loulé geboren und gilt weithin als eine der einflussreichsten zeitgenössischen Autorinnen Portugals. Sie trat nach der Nelkenrevolution von 1974 als führende literarische Persönlichkeit in Erscheinung; viele ihrer Romane setzen sich mit den sozialen, politischen und kulturellen Umbrüchen auseinander, die Portugal im späten 20. Jahrhundert geprägt haben.
Ihr Debütroman „O Dia dos Prodígios“ (Der Tag der Wunder), der 1980 erschien, gilt als eines der prägenden Werke der modernen portugiesischen Literatur. Seitdem hat sie zahlreiche Romane, Essays, Kurzgeschichten und Theaterstücke verfasst, von denen viele in mehrere Sprachen übersetzt wurden.
Zu ihren bekanntesten Werken zählen „A Costa dos Murmúrios“ (Die flüsternde Küste), „Os Memoráveis“ (Die Unvergesslichen) und „Estuário“ (Mündung), die sich alle mit Themen wie Erinnerung, Kolonialismus, Migration und den Komplexitäten der portugiesischen Identität auseinandersetzen.
Internationale Anerkennung
Obwohl sie in Portugal seit Jahrzehnten hoch angesehen ist, hat sich Jorge durch Übersetzungen ihrer Werke und Auftritte bei Literaturfestivals in ganz Europa und darüber hinaus auch international einen hervorragenden Ruf erarbeitet.
Der Österreichische Staatspreis festigt ihr Ansehen als eine der bedeutendsten Kulturbotschafterinnen Portugals und würdigt nicht nur ihre literarischen Leistungen, sondern auch ihren Beitrag zum europäischen geistigen und kulturellen Leben.
Die Auszeichnung erfolgt zu einer Zeit, in der die portugiesische Literatur international zunehmend Beachtung findet. Der Nobelpreisträger José Saramago, die Dichterin Sophia de Mello Breyner Andresen und der Romanautor António Lobo Antunes haben alle dazu beigetragen, das Ansehen der portugiesischen Literatur im Ausland zu steigern, während zeitgenössische Autorinnen wie Jorge weiterhin neue Lesergenerationen an die literarische Tradition des Landes heranführen.
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird im Laufe dieses Jahres im Rahmen einer offiziellen Zeremonie in Salzburg verliehen.









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