Allein im Jahr 2024 wurden Hunderttausende neuer Unternehmen gegründet, so dass die Gesamtzahl der aktiven Unternehmen mehr als 1,5 Millionen beträgt. Auf den ersten Blick deutet dies auf Dynamik hin. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich ein eher strukturelles Problem: Etwa die Hälfte dieser Unternehmen überlebt nicht länger als drei Jahre. Dies ist nicht nur eine statistische Zahl. Es spiegelt wider, wie das System funktioniert.
In den letzten zehn Jahren hat Portugal das Unternehmertum stark gefördert. Neugründungen, Innovation und die Erleichterung von Unternehmensgründungen sind zu zentralen Themen geworden. Dies hat der Wirtschaft neuen Schwung verliehen und das Land als attraktiven Ort für die Gründung neuer Unternehmen positioniert. Doch irgendwann begann die Quantität die Qualität zu überschatten. Es ist relativ einfach geworden, ein Unternehmen zu gründen, aber es ist wesentlich schwieriger, es aufrechtzuerhalten, zu vergrößern und in etwas mit echter wirtschaftlicher Bedeutung zu verwandeln.
In einem Land von der Größe Portugals wird dieses Ungleichgewicht noch deutlicher sichtbar. Die Unternehmenslandschaft wird von kleinen und mittleren Unternehmen dominiert, von denen viele sehr leistungsfähig sind, aber nur sehr wenige eine nennenswerte Größenordnung erreichen. Gleichzeitig haben einige wenige Großunternehmen einen unverhältnismäßig großen Anteil an der Beschäftigung, den Ausfuhren und dem Beitrag zum BIP. Dies führt zu einer fragmentierten Wirtschaft, in der die Wertschöpfung ungleichmäßig erfolgt und das Wachstumspotenzial oft begrenzt ist. Die eigentliche Frage ist einfach, aber unangenehm. Warum feiern wir die Gründung von Unternehmen mehr, als wir ihr Wachstum schätzen?
Ein Teil der Antwort liegt in der Kultur. Es besteht immer noch die Tendenz, Ehrgeiz mit Skepsis zu betrachten. Wir feiern den Beginn einer Reise, aber wir fühlen uns weniger wohl mit denen, die skalieren, expandieren und Märkte dominieren. Wachstum wird oft eher mit Misstrauen betrachtet als als Zeichen von Stärke. Diese kulturelle Barriere hat reale wirtschaftliche Folgen.
Wenn wir uns Länder wie Deutschland, Frankreich oder Italien ansehen, dann beruht ihre Stärke nicht nur auf individuellen Spitzenleistungen, sondern auf ihrer Fähigkeit zur Zusammenarbeit, zur Konsolidierung und zum langfristigen Denken. Die Unternehmen wachsen durch Partnerschaften, Übernahmen und internationale Expansion. Sie bilden Cluster und Ökosysteme, die sich gegenseitig verstärken. In Portugal bleiben die Unternehmen allzu oft isoliert und konkurrieren auf kleiner Ebene, anstatt sich zusammenzuschließen und stärker zu werden.
Aus der Investitionsperspektive ist dies von großer Bedeutung. Internationale Investoren suchen nach Größe, Durchführungskapazität und langfristiger Sichtbarkeit. Sie investieren dort, wo Unternehmen wachsen, Märkte konsolidieren und im globalen Wettbewerb bestehen können. Wenn sie ein stark fragmentiertes Ökosystem mit hoher Sterblichkeitsrate und begrenzter Größe sehen, steigt das wahrgenommene Risiko. Und wenn das Risiko steigt, wird das Kapital vorsichtiger, selektiver und teurer.
Das heißt nicht, dass es keine Erfolgsgeschichten gibt. Es gibt sie, und sie zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie dieses Muster durchbrochen haben. Unternehmen, die international expandierten, Sektoren konsolidierten, in Innovationen investierten und keine Angst vor Wachstum hatten. Sie zeigen, dass ein anderer Weg möglich ist.
Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Weg zur Regel zu machen, nicht zur Ausnahme. Wir sollten uns weniger darauf konzentrieren, wie viele Unternehmen gegründet werden, sondern mehr darauf, wie viele überleben, wachsen und sich vergrößern. Weniger Fragmentierung, mehr Zusammenarbeit. Weniger Angst vor Ehrgeiz, mehr strukturiertes Wachstum.
Portugal verfügt über Talente, technische Fähigkeiten und eine zunehmend starke internationale Position. Doch um sein volles Potenzial auszuschöpfen, muss ein Umdenken stattfinden.
Es geht nicht darum, mehr zu tun. Es geht darum, es besser zu machen. Und, was am wichtigsten ist, es gemeinsam zu tun.







