Das stimmt alles. Aber irgendwo im Smog der 70er Jahre verbirgt sich eine kleine Legende – allerdings hauptsächlich aus den falschen Gründen. Der Fiat Strada war ein solches Auto. Er hätte brillant sein müssen, wäre da nicht ein ziemlich dramatischer Grund gewesen. Er rostete vor unseren Augen weg.
Seht ihr, der Fiat Strada war nicht einfach nur ein Auto. Er war eine Idee. Ein kühner, italienischer, von Espresso befeuerter „Heureka“-Moment. Und wie so viele solcher Ideen klang er um 2 Uhr morgens genial, erwies sich am nächsten Morgen jedoch als völlige Katastrophe.
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Handgefertigt von Robotern
Erinnert ihr euch an den Slogan „Handbuilt by Robots“? Das allein hätte schon eine kleine Warnung sein sollen. Denken Sie mal kurz darüber nach. Das ist so, als würde man sagen: „Hausgemacht in der Mikrowelle“. Es suggeriert zwar Modernität und schnelle Ergebnisse, deutet aber auch auf einen alarmierenden Mangel an menschlicher Aufsicht hin. Der Satz sollte eigentlich modernste Automatisierung suggerieren. Stattdessen klang er eher so, als wäre das Ganze von einem Haufen verwirrter Waschmaschinen zusammengebaut worden.
So sah es bei Fiat Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre aus, als das Unternehmen versuchte, sich in die Zukunft zu katapultieren, indem es seine Autos von hochmodernen Robotern montieren ließ. Ja, die Idee schrie geradezu nach „Innovation“ und strotzte vor etwas, das man nur als grenzenlosen Optimismus bezeichnen kann – und sie manifestierte sich in Form des Strada.
Die Roboter-Fertigungsstraße sollte die Produktion revolutionieren. Roboter würden mit absoluter Präzision schweißen, wodurch die Verarbeitungsqualität gesteigert, die Zuverlässigkeit verbessert und die Kunden begeistert würden. Stattdessen verbrachten die Roboter offenbar die meiste Zeit damit, Karosserieteile in schrägen Winkeln anzubringen, wodurch kleine, aber entscheidende Spalten entstanden, durch die Wasser und Luft in das fertige Auto eindringen konnten. Mit anderen Worten: alle Voraussetzungen, um die gefürchteten „Blechwürmer“ in Hülle und Fülle zu züchten. Und wie sehr haben sich diese fiesen kleinen Würmer daran erfreut, an dem armen alten Strada herumzuknabbern.
Optisch ist der Fiat Strada sehr markant. Er sieht aus, als hätte jemand einen normalen Kleinwagen genommen und dann einen besonders ehrgeizigen Geometrie-Lehrer beauftragt, einige Details hinzuzufügen. Das Ergebnis waren überall seltsame Winkel, merkwürdig geformte Türgriffe und einige zufällige kreisförmige Motive, die scheinbar nur als nachträglicher Einfall angebracht worden waren.
Um fair zu sein: Italienische Designhäuser haben uns Meisterwerke in Form von Ferraris, Lamborghinis und Alfas beschert. Dinge, die unsere Herzen noch immer höher schlagen lassen, aber oft unsere Bankberater zur Verzweiflung bringen. Aber der Strada sah aus, als wäre er während eines Stromausfalls entworfen worden. Selbst seine Stoßfänger waren überdimensionierte Kunststoffteile, die jedoch irgendwie seltsamerweise gut in das Gesamtbild passten.
Das Highlight
Nun kommen wir zum Pièce de résistance des Fiat Strada: dem Rost.
Natürlich erliegen die meisten Autos irgendwann dem gefürchteten Blechwurm. Das gehört einfach zum natürlichen Lauf der Dinge. Ein bisschen wie Steuern. Doch der Strada wartete nicht ab wie die meisten Autos; er behandelte Rost nicht als langfristige Möglichkeit, sondern als werkseitigen Standard. Es gibt Geschichten, die einst in verrauchten Kneipen der 70er Jahre geflüstert wurden, von brandneuen Stradas, die auf Lagerplätzen standen und sich auflösten, noch bevor sie überhaupt zugelassen wurden. Noch bevor ihre Besitzer überhaupt die Gelegenheit hatten, ihren Kauf voll und ganz zu bereuen. Die Leute machten sich auf den Weg, um ihre glänzenden neuen italienischen Kleinwagen abzuholen, nur um festzustellen, dass diese bereits für neue Rollen als Siebe vorsprachen. Karosserieteile blähten sich auf, Nähte blühten auf, und die strukturelle Integrität wurde eher zu einem Konzept als zu einer physischen Realität. Der Strada war weniger ein Auto als vielmehr eine fortlaufende Chemie-Stunde.
Das Fahrerlebnis war jedoch überraschend gut. Der Strada war tatsächlich ein ziemlich gutes Auto zum Fahren, weil er leicht, wendig und auf diese typisch italienische Art sehr reaktionsfreudig war. Die Motoren waren zwar nicht gerade vulkanisch, aber durchaus willig. Selbst der Fahrkomfort war ordentlich, und die Lenkung vermittelte ein sicheres Gefühl. Was das Fahrerlebnis anging, gab es kaum etwas auszusetzen. Das hätte ein hervorragendes Auto sein sollen, und in vielerlei Hinsicht war es das auch.
Aber das Fahren eines Strada erforderte eine besondere Einstellung. Man musste akzeptieren, dass, während man eine temperamentvolle Fahrt auf einer Landstraße genoss, Teile des Autos in die Erde zurückkehrten. Es war ein Wettlauf gegen die Entropie.
Präzisionstechnik
Kommen wir noch einmal auf diese Roboter zurück, denn sie verdienen ein eigenes Kapitel in dieser tragischen Geschichte. Die Automatisierung sollte die Zukunft sein. Es ging um Präzisionstechnik, darum, noch mehr Präzisionstechnik zu schaffen – und zwar auf utopische statt auf dystopische Weise. Stattdessen schien die Produktionslinie des Strada jedoch zu zeigen, dass Roboter, wenn man sie unbeaufsichtigt lässt, eine schelmische Ader entwickeln. Die Spaltmaße variierten, Zierleisten sahen aus, als wären sie von jemandem mit Ofenhandschuhen angebracht worden, und die Gesamtverarbeitung ließ vermuten, dass die Roboter irgendwann ihre Anweisungen vergessen und angefangen hatten zu improvisieren.
Als der Strada auf den Markt kam, herrschte echte Begeisterung. Hier war etwas Modernes. Er war anders, und er war italienisch.
Dann holte die Realität ein. Die Käufer bemerkten allmählich den Rost, die zweifelhafte Verarbeitungsqualität und hatten allgemein das Gefühl, dass ihr Auto die erste Hauptuntersuchung vielleicht nicht überstehen würde, ohne dass umfangreiche Schweißarbeiten nötig würden.
Und doch hatten diese Autos „Charakter“. Das ist nicht nur eine nette Umschreibung dafür, dass sie zwar hoffnungslos mangelhaft, aber seltsamerweise dennoch liebenswert waren. Sie waren wirklich all das. Andere Autos wirkten ein bisschen langweilig, der Strada aber einfach nicht. Für einen kantigen Kleinwagen sah er ziemlich sportlich aus. Das ist schon eine Leistung für sich!
Heute nimmt der Fiat Strada einen kuriosen Platz in der Automobilgeschichte ein. Er war kein Erfolg im herkömmlichen Sinne. Er dominierte keine Verkaufscharts und definierte seine Klasse nicht neu. Er hat im herkömmlichen Sinne nicht einmal wirklich überlebt, so wie es ein VW Golf oder ein Ford Fiesta taten. Stattdessen hinterließ er einen Eindruck. Das Vermächtnis des Fiat Strada steht als Denkmal für Ehrgeiz, für die Idee, dass man mit Robotern und Innovation mutig in die Zukunft springen und dabei dennoch metaphorisch über die eigenen Schnürsenkel stolpern kann.
Das hat etwas ziemlich Liebenswertes, denn der Strada hat es versucht. Das hat er wirklich. Er strebte nach Modernität und Fortschritt und strebte nach einer schönen neuen Welt der hochautomatisierten Produktion. Er tat dies nur zufällig mit Metall, das sich beim ersten Anzeichen von leichtem Nieselregen irgendwie auflöste.
Der Strada verschwand nicht einfach so wie so viele andere mittelmäßige Autos. Er verschwand nicht still und leise auf Schrottplätzen, nachdem er jahrelang treue Dienste geleistet hatte. Nein. Er rostete auf spektakuläre Weise vor sich hin. Er machte den Verfall zu seinem Markenzeichen und erreichte damit etwas Erstaunliches: Er wurde unvergesslich. Denn in einer Welt aus langweiligen, soliden und völlig vergessenswerten Kleinwagen wagte der Strada, anders zu sein. Er wagte es sogar, Fehler zu haben.
Er war das weltweit erste aktiv biologisch abbaubare Auto, auch wenn dies völlig zufällig geschah.
Also sollten wir dem Fiat Strada wohl für seine schiere, unverschämte, rostende Kühnheit unseren Respekt zollen – aber tun wir das lieber aus angemessener Sicherheitsentfernung. Nur für den Fall, dass etwas Wichtiges abfällt und auf unseren Zehen landet.







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