Doch die Industrie, die sich derzeit in Europa entwickelt, unterscheidet sich stark von der, die wir über weite Teile des 20. Jahrhunderts hinweg kannten. Sie wird zunehmend digital, automatisiert, nachhaltig und intelligent sein und künstliche Intelligenz zur Prozessoptimierung, kollaborative Robotik zur Effizienzsteigerung, Sensoren zur Vorhersage von Ausfällen sowie digitale Plattformen nutzen, die die gesamte Produktionskette in Echtzeit vernetzen können.

Diese Fabriken werden qualitativ hochwertigere Produkte herstellen, weniger Ressourcen verschwenden und schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren. Dieser Wandel hat bereits begonnen, und Portugal könnte eine wichtige Chance haben, davon zu profitieren.

Die jüngste Ausgabe der „Portugalglobal“ zeigt genau, wie mehrere portugiesische Unternehmen Lösungen für intelligente Fertigung, industrielle Automatisierung, digitale Instandhaltung und Technologien entwickeln, die die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Fabriken steigern. Viele dieser Unternehmen halten nicht nur mit diesem Wandel Schritt, sondern exportieren mittlerweile Wissen und Technologie auf internationale Märkte – ein sehr positives Zeichen für die portugiesische Wirtschaft.

Seit Jahrzehnten versucht Portugal, sich durch die Qualität seiner industriellen Produktion zu behaupten. Auch heute ist diese Qualität noch wichtig, reicht aber nicht mehr aus. Der Mehrwert liegt zunehmend in der Fähigkeit, Technologie, Ingenieurskunst und Innovation in jedes Produkt und jeden Produktionsprozess zu integrieren.

Gleichzeitig durchläuft Europa eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Die Notwendigkeit, die industrielle Autonomie zu stärken, Abhängigkeiten von außen zu verringern und Lieferketten näher zusammenzuführen, veranlasst viele Unternehmen dazu, ihre Produktionsstandorte zu überdenken. Länder, die Stabilität, qualifizierte Fachkräfte, wettbewerbsfähige Energie und technologische Kapazitäten bieten können, werden in dieser neuen Phase einen erheblichen Vorteil haben.

Portugal erfüllt viele dieser Voraussetzungen. Es verfügt über international anerkannte Ingenieure, Universitäten, die mit der Industrie zusammenarbeiten, eine wachsende Produktion erneuerbarer Energien und eine strategisch günstige Lage zwischen Europa, Afrika und Amerika. In den letzten Jahren zeigt der Zustrom von Investitionen in Rechenzentren, künstliche Intelligenz, Flugzeugwartung und Weltraumtechnologien, dass das Land zunehmend als technologischer Partner und nicht mehr nur als Randmarkt wahrgenommen wird.

Doch diese Chance darf nicht als selbstverständlich angesehen werden. Der Wandel der Industrie erfordert kontinuierliche Investitionen in Innovation, Ausbildung und Digitalisierung, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen, die nach wie vor einen sehr bedeutenden Teil der portugiesischen Unternehmenslandschaft ausmachen. Er erfordert zudem eine schnellere Projektumsetzung, effizientere Verwaltungsprozesse und eine immer engere Verbindung zwischen Unternehmen, Universitäten und Forschungszentren.

Die Fabriken der Zukunft werden nicht nur durch die Maschinen definiert, die sie einsetzen, sondern auch durch die Menschen, die sie entwickeln, das Wissen, das sie verkörpern, und die Fähigkeit zur kontinuierlichen Innovation. Genau hier kann Portugal den Unterschied ausmachen.

Zu lange haben wir geglaubt, dass unsere wirtschaftliche Zukunft vor allem über Dienstleistungen und Tourismus verlaufen würde. Beide werden weiterhin eine wesentliche Rolle spielen. Doch vielleicht entsteht gerade eine neue Chance, eine stillere, wenn auch ebenso transformative: die Schaffung einer technologisch fortschrittlicheren, nachhaltigeren und wettbewerbsfähigeren Industrie.

Denn die nächste große Wachstumsgeschichte der portugiesischen Wirtschaft beginnt vielleicht gar nicht in einem Büro oder einem Labor. Sie kann ganz einfach in einer Fabrik ihren Anfang nehmen.