Die neurokritische Versorgung ist ein Fachgebiet der Medizin, das sich um Patienten kümmert, die eine schwere Verletzung oder Erkrankung erlitten haben, die das Gehirn oder das Nervensystem betrifft. Man denke beispielsweise an jemanden, der einen schweren Schlaganfall erlitten hat, eine schwere Kopfverletzung nach einem Verkehrsunfall davongetragen hat oder einen lebensbedrohlichen Anfall hatte. Diese Patienten sind oft bewusstlos, nicht in der Lage zu kommunizieren und auf ein Team von Spezialisten angewiesen, das rund um die Uhr im Einsatz ist, um sie am Leben zu erhalten und gleichzeitig ihre Gehirnfunktion zu schützen.
„Die neurokritische Versorgung ist einer der anspruchsvollsten Bereiche der Intensivmedizin“, erklärte Dr. Ana Isabel Rodrigues, Intensivmedizinerin am Krankenhaus von Faro und Mitglied des Organisationskomitees. „Wenn ein Patient eine Hirnverletzung erleidet, müssen wir die Verletzung behandeln und gleichzeitig das Gehirn vor weiteren Schäden schützen, die durch Sauerstoffmangel, niedrigen Blutdruck oder erhöhten Hirndruck verursacht werden. Viele unserer Patienten sind bewusstlos, daher sind wir auf CT-Scans und eine Reihe von Überwachungsinstrumenten angewiesen, um zu verstehen, was zu jedem Zeitpunkt im Gehirn vor sich geht.“
Was die neurokritische Versorgung besonders komplex macht, ist die schiere Anzahl der Fachkräfte, die an der Genesung eines einzelnen Patienten beteiligt sind. Der Intensivmediziner regelt Atmung, Blutdruck und Hirndruck. Der Neurochirurg muss möglicherweise operieren, um Blutungen oder Schwellungen zu lindern. Der Neuroradiologe wertet die Gehirnscans aus, die als Grundlage für jede Entscheidung dienen. Der Rehabilitationstherapeut beginnt fast sofort mit seiner Arbeit und hilft den Patienten dabei, grundlegende Bewegungen und die Kommunikation wieder zu erlernen. Und die Pflegekraft, die Tag und Nacht rund um die Uhr am Krankenbett anwesend ist, bemerkt oft als Erste eine Veränderung des Zustands, die auf eine Krise hindeuten könnte.
„Eine Hirnverletzung ist verheerend, und diese Patienten benötigen die Unterstützung vieler verschiedener Fachrichtungen und Berufsgruppen“, sagte Dr. Nuno Mourão, Intensivmediziner am Krankenhaus von Portimão. „Die Idee hinter dieser Konferenz ist es, Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten und Techniker zusammenzubringen, um Wissen auszutauschen und zu verstehen, wie sich unsere verschiedenen Rollen überschneiden, um diesen komplexen Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten.“
Bildnachweis: Zur Verfügung gestelltes Bild; Autor: Algarve Biomedical Center;
Dieser Geist der Zusammenarbeit zog sich durch jeden Aspekt der Konferenz. Anstatt die Fachkräfte nach Disziplinen zu trennen, wurden die Fachgebiete in den Hörsälen und Workshops bewusst gemischt, wodurch ein interdisziplinärer Dialog entstand, wie er im hektischen Krankenhausalltag selten stattfindet. Das Programm umfasste nicht nur Vorträge führender Experten, sondern auch interaktive Fallbesprechungen, in denen die Teilnehmer gemeinsam reale klinische Szenarien durcharbeiteten, sowie praktische Workshops, in denen die Teilnehmer unter fachkundiger Anleitung technische Fertigkeiten üben konnten, wie beispielsweise die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung des Gehirns oder die Auswertung eines kontinuierlichen EEG-Monitors.
Der Veranstaltungsort selbst war für diesen Ansatz bestens geeignet. Das Algarve Medical Simulation Centre an der Universität der Algarve ist eines der aktivsten Simulationszentren Portugals und wurde eigens dafür errichtet, realistische klinische Trainingserfahrungen abseits des Drucks einer echten Krankenhausumgebung zu ermöglichen. Für eine Konferenz, bei der das Lernen durch praktisches Tun im Vordergrund stand, war dies der ideale Ort.
Das wissenschaftliche Programm bot eine hochkarätige Auswahl an nationalen und internationalen Referenten. Die Professorinnen Elisabete Monteiro und Celeste Dias waren aus dem São João-Krankenhaus in Porto, einer der erfahrensten neurointensivmedizinischen Abteilungen Portugals, angereist, um über Fortschritte in der Hirnüberwachung und der neuroprotektiven Behandlung zu berichten. Dr. Inês Cordeiro vom São José-Krankenhaus in Lissabon hielt einen Vortrag über den Einsatz der kontinuierlichen EEG-Überwachung. Die internationale Perspektive lieferte Professor José Domingues vom Hospital Universitário Virgen del Rocío in Sevilla, einem der führenden neurochirurgischen Zentren Südeuropas. Auch Assistenzärzte in der Ausbildung hatten die Gelegenheit, ihre eigenen Forschungsergebnisse vorzustellen – ein Zeichen dafür, dass die nächste Generation von Fachärzten bereits ihre Spuren hinterlässt.
Bildnachweis: Bild zur Verfügung gestellt; Autor: Algarve Biomedical Center;
Für die Algarve kommt dem Aufbau von Fachkompetenz in der neurointensivmedizinischen Versorgung besondere Bedeutung zu. Die Krankenhäuser der Region versorgen nicht nur die lokale Bevölkerung, sondern auch einen großen Zustrom von Touristen und Saisonbewohnern aus ganz Europa. Die Fähigkeit, in den kritischen Stunden vor dem Eintreten irreversibler Schäden schnell und effektiv auf eine Hirnverletzung zu reagieren, kann den Unterschied zwischen vollständiger Genesung, bleibender Behinderung und Tod ausmachen. Früher mussten Patienten für lebensrettende Eingriffe oft nach Lissabon verlegt werden. Heute fungiert das Krankenhaus von Faro als regionales Zentrum für Neurointensivmedizin und vereint Intensivmedizin, Neurochirurgie, Neuroradiologie, Rehabilitation und Schlaganfallversorgung unter einem Dach. Das Krankenhaus von Portimão ergänzt dies durch ein eigenes Schlaganfallzentrum und eine Intensivstation und erweitert so die fachärztliche Versorgung in der gesamten Region.
Die 2. Algarve-Konferenz für Neurointensivmedizin wurde von ABC Meetings organisiert und gemeinsam von der Fakultät für Medizin und Biomedizinische Wissenschaften der Universität der Algarve sowie der Lokalen Gesundheitseinheit der Algarve (ULS Algarve) ausgerichtet, mit Clinifar und WorldMedica als Hauptsponsoren. Es ist die einzige Konferenz in Portugal, die sich ausschließlich diesem Fachgebiet widmet.
Die Planungen für die 3. Ausgabe der Algarve Neurocritical Care Conference sind bereits im Gange. Was als regionale Initiative begann, entwickelt sich rasch zu einem festen Bestandteil des nationalen medizinischen Kalenders und zeigt, dass eine neurokritische Versorgung auf Weltklasseniveau nicht nur in den großen Städten Portugals, sondern auch hier an der Algarve aufgebaut wird.
Artikel von Dr. Alexandra Binnie
Alexandra Binnie ist Co-Direktorin des Algarve Medical Simulation Centre und Intensivmedizinerin am Krankenhaus von Faro.








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