Ich erinnere mich an ein Lied, das Frank Sinatra gesungen hat: „They’ve got an awful lot of coffee in Brazil“ – aber ein Teil davon hat seinen Weg hierher nach Portugal gefunden und ist mittlerweile Teil unserer Kultur geworden. Ist das Kaffeetrinken hier eine Gewohnheit oder eine Lebensart? Ich würde definitiv sagen, es ist ein tief verwurzeltes, erschwingliches und geselliges Ritual – man sieht hier zu jeder Tageszeit Menschen, die im Stehen eine kleine Tasse starken schwarzen Kaffee trinken oder gemütlich dasitzen und einen „Café com Leite“ (Kaffee mit Milch) oder einen „Galaõ“ – bei vielen sehr beliebt – genießen, einen heißen Milchkaffee ähnlich einem Latte, der in einem hohen Glas serviert wird und durch Zugabe von Milchschaum zum Espresso zubereitet wird, typischerweise im Verhältnis 3:1 (Milch zu Kaffee). Kaffeetrinken kann sowohl eine tägliche Gewohnheit als auch eine Lebensart sein, und für viele ist es eine Routine, die sich zu einem funktionalen und oft genussvollen Bestandteil des Tagesablaufs entwickelt hat. Dabei verbraucht jeder Erwachsene jährlich über 4 kg Kaffeebohnen.

Kaffee erlangte in Portugal durch die kolonialen Verbindungen zu Brasilien im 18. Jahrhundert große Beliebtheit, da von dort reichlich hochwertige Bohnen geliefert wurden. Die „Kaffeekultur“ festigte sich, als Cafés zu unverzichtbaren sozialen „Wohnzimmern“ wurden, was auf eine Tradition zurückzuführen ist, in öffentlichen Räumen statt in privaten Häusern Kontakte zu knüpfen. Heute ist erschwinglicher, starker Espresso – bekannt als „Bica“ – ein zentraler Bestandteil des Alltags, vielleicht zusammen mit einem köstlichen Gebäck wie unserem legendären Puddingtörtchen, dem „Pastel de Nata“. Sogar das Wort „Bica“ hat eine Legende – angeblich steht BICA für „Beba Isto Com Açúcar“ (trink das mit Zucker), obwohl er ebenso oft ohne Zucker genossen wird. Allerdings gibt es offenbar regionale Unterschiede: In Lissabon heißt er „Bica“, in Porto „Cimbalino“ (in Anlehnung an die verwendeten La-Cimbali-Maschinen). Die Einheimischen trinken nach dem Frühstück selten Milchkaffee, sondern bevorzugen starke, kleine Portionen; zu den beliebten Sorten gehören der „Garoto“ (Espresso mit einem Schuss Milch) und der „Abatanado“ (verdünnter Espresso).

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Die Qual der Wahl

Manchmal schmeckt der Kaffee in einem Café anders als in einem anderen, was auf die verwendete Bohnensorte und deren Behandlung während des Röstvorgangs zurückzuführen ist. Traditionelle portugiesische Kaffeemarken servieren Kaffee, der nach einer langsamen Röstmethode bei niedrigeren Temperaturen hergestellt wird. Dadurch entsteht eine dichtere, intensivere und dunklere Röstung. Traditioneller portugiesischer Kaffee besteht oft aus einer Mischung aus Arabica- und Robusta-Bohnen, wobei die Robusta-Bohnen für einen stärkeren, bittereren Geschmack sorgen. Spezialitätenkaffee hingegen setzt auf 100 % Arabica-Bohnen, die mildere, komplexere Aromen bieten.

Während es in anderen Ländern zahlreiche aromatisierte Sirupe und Milchspezialitäten gibt, die dem Kaffee beigefügt werden, scheinen sich diese hier nicht durchgesetzt zu haben, denn die Einheimischen bevorzugen ihre eigenen tief verwurzelten, konservativen Rituale – oder vielleicht mögen wir unseren Kaffee einfach so, wie er schmeckt – eventuell mit einem Schuss Brandy oder Aguardente (einem starken Traubenschnaps), bekannt als „Café com Cheirinho“ (was so viel wie „Kaffee mit Duft“ bedeutet) – eine perfekte Art, eine Mahlzeit abzuschließen.