Das liegt daran, dass Tiger fotogen sind, Eisbären auf schrumpfenden Eisschollen traurig wirken und die großen Wale Dokumentarfilme inspirieren, die von David Attenborough kommentiert werden. Aber was ist mit Insekten? Nun, die meisten Menschen betrachten sie als kaum mehr als lästige Viecher, die um den Grill herumschwirren, auf Windschutzscheiben zerschellen oder in die Küche eindringen. Dennoch sind Wissenschaftler zunehmend der Ansicht, dass Insekten zu den wichtigsten Lebewesen auf der Erde gehören könnten. Ihr Rückgang könnte sich als eine der entscheidenden ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erweisen – nicht, weil wir sie besonders mögen, sondern weil das Leben selbst von ihnen abhängt.
Insektenpopulationen
Die Beweise dafür lassen sich mittlerweile kaum noch ignorieren. Seit vielen Jahren stellen Autofahrer fest, dass moderne Autofahrten nicht mehr mit einer Windschutzscheibe voller toter Fliegen enden. Auch wenn diese Beobachtung kaum als strenge wissenschaftliche Methode gelten kann, hat eine langfristige Beobachtung bestätigt, was Autofahrer schon lange vermutet haben. In vielen Teilen Europas sind die Insektenpopulationen dramatisch zurückgegangen.
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Die vielleicht am häufigsten zitierte Studie stammt aus Deutschland, wo Forscher über einen Zeitraum von 27 Jahren einen Rückgang der Biomasse fliegender Insekten in Naturschutzgebieten um mehr als 75 % verzeichneten. Ähnliche Trends wurden seitdem auch anderswo beobachtet, wobei das Ausmaß je nach Lebensraum, Standort und der untersuchten Art variiert. Wissenschaftler betonen, dass es keinen einheitlichen globalen Prozentsatz gibt, da einige Insektenarten rapide zurückgehen, während andere stabil bleiben oder in einigen wenigen Fällen sogar zunehmen. Unbestritten ist jedoch, dass viele Insektengruppen unter Druck stehen.
Bildnachweis: PA; Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Bestäuber. Fast 90 % der wildwachsenden Blütenpflanzen weltweit sind zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen, während mehr als drei Viertel der Nahrungspflanzen von bestäubenden Insekten profitieren oder auf diese angewiesen sind. Bienen stehen dabei im Mittelpunkt, doch auch Schmetterlinge, Motten, Schwebfliegen, Käfer und sogar einige Wespenarten spielen eine entscheidende Rolle.
Das gängige Bild zeigt oft fleißige Honigbienen, die auf verträumten Wiesen voller Düfte und wunderschöner Blüten ihrer köstlichen Arbeit nachgehen. Doch Europas größte Sorge gilt eigentlich nicht den von Imkern betreuten Bienenstöcken mit domestizierten Honigbienen, sondern den wildlebenden Bestäubern. Europaweit gelten mittlerweile rund 9 % der Wildbienenarten, 20 % der Schmetterlingsarten und fast 40 % der Schwebfliegenarten als bedroht. Diese Zahlen stehen eher für einen allmählichen Rückgang der Artenvielfalt als für einen Zusammenbruch über Nacht. Doch die Richtung, in die es geht, ist unverkennbar. Was also ist eigentlich die Ursache für diesen Rückgang?
Bildnachweis: Unsplash; Autor: gayatri-malhotra; Verlust von Lebensräumen
Leider gibt es keinen einzigen Schuldigen. Der Lebensraumverlust steht an der Spitze fast jeder wissenschaftlichen Liste. Da die Landwirtschaft immer intensiver geworden ist, sind Wildblumenwiesen, Hecken, Buschland und traditionelle Weideflächen verschwunden, sodass Insekten immer weniger Orte zum Fressen, Brüten und Unterschlupf finden. Pestizide sind ein weiterer wichtiger Faktor. Moderne Insektizide sind äußerst wirksam bei der Abtötung der Insekten, auf die sie abzielen, können aber darüber hinaus auch viele nützliche Arten töten. Aktuelle globale Analysen zeigen, dass Pestizidbelastung und Lebensraumverlust zusammenwirken und sowohl die Bestände als auch die Vielfalt der Wildbienen, die Kulturpflanzen besuchen, verringern.
Bildnachweis: Zur Verfügung gestelltes Bild;
Klimatische Veränderungen sorgen für zusätzliche Komplexität. Steigende Temperaturen, anhaltende Dürren und extreme Niederschläge können die empfindlichen Beziehungen zwischen Blütenpflanzen und ihren Bestäubern stören. Manche Insekten schlüpfen früher als die Blüten, von denen sie abhängig sind. Andere haben Mühe, heiße, trockene Sommer oder besonders kalte Winter zu überstehen.
Auch invasive Arten, Krankheiten, Umweltverschmutzung und künstliche Beleuchtung tragen zum zunehmenden Druck auf unsere Insektenpopulationen bei. Doch keine einzelne Ursache erklärt alles. Zusammen führen all diese Faktoren jedoch zu einer kumulativen Belastung, von der sich viele Arten nur schwer erholen können.
Artenvielfalt
Portugal bietet sowohl Anlass zur Sorge als auch Grund zum Optimismus. Trotz seiner relativ geringen Größe verfügt Portugal über eine bemerkenswerte Insektenvielfalt. Wissenschaftler haben rund 746 Bienenarten, 148 Schmetterlingsarten, mehr als 2.600 Mottenarten und über 220 Schwebfliegenarten identifiziert. Die abwechslungsreichen Landschaften des Landes – von Atlantikdünen über Korkeichenwälder bis hin zur mediterranen Macchia – bilden ein reichhaltiges Mosaik aus natürlichen Lebensräumen. Dennoch ist Portugal keineswegs immun gegen einige der Probleme, die die Moderne unserer Natur auferlegt.
Bildnachweis: Zur Verfügung gestelltes Bild; Intensive Landwirtschaft in einigen Regionen, die Ausdehnung der Städte, immer häufiger auftretende Dürren und verheerende Waldbrände bedrohen die Lebensräume der Insekten. In Südportugal kam es in den letzten Jahren zu anhaltenden Perioden extremer Hitze, was sowohl die Insekten als auch die Blütenpflanzen, auf die sie angewiesen sind, zusätzlich belastet.
In Anerkennung der Bedeutung von Bestäubern hat Portugal kürzlich einen nationalen Aktionsplan ins Leben gerufen, der darauf abzielt, bestäubende Insekten durch die Wiederherstellung von Lebensräumen, Überwachungsprogramme, Aufklärung der Öffentlichkeit und eine verbesserte Landbewirtschaftung zu schützen.
All dies stellt einen Fortschritt dar, doch der Erfolg wird letztlich eher von der Umsetzung als von guten Absichten abhängen. Diese Logik gilt für jede Nation.
Globale Folgen
Die globalen Folgen des anhaltenden Rückgangs reichen weit über weniger Schmetterlinge in unseren Gärten hinaus. Insekten bilden die Grundlage unzähliger Nahrungsketten. Vögel füttern ihre Küken mit Insekten, und einige Fledermausarten sind auf Motten als Nahrung angewiesen. Amphibien, Reptilien und sogar kleine Säugetiere sind alle auf Insekten als Beute angewiesen. Wenn also die Insektenpopulationen schrumpfen, folgt oft auch ein Rückgang der Raubtierbestände. Man sieht also, wie sich dieses Problem allmählich die Nahrungskette hinaufschlängelt.
Bildnachweis: Unsplash; Autor: Dan Meyers; Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ebenso bedeutend. Die natürliche Bestäubung durch Insekten trägt jährlich Milliarden Euro zur europäischen Landwirtschaft bei. Ohne gesunde Populationen wildlebender Bestäuber sind Landwirte zunehmend auf gezüchtete Honigbienen angewiesen, deren eigene Gesundheit (als dichte Monokulturen) durch Parasiten und Krankheiten gefährdet ist. Forscher warnen davor, dass ein weitreichender Rückgang der Bestäuberbestände die Erträge von Obst, Nüssen und Gemüse verringern könnte, was die Produktionskosten erhöhen und damit die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben würde.
Regenerationsfähigkeit
Dennoch ist die Lage nicht gänzlich hoffnungslos. Die Natur verfügt über eine außergewöhnliche Regenerationsfähigkeit, wenn man ihr die Chance dazu gibt. Wildblumenstreifen entlang von Feldern, ein reduzierter Pestizideinsatz, wiederhergestellte Hecken, eine vielfältige Bepflanzung in Städten und eine schonendere Landbewirtschaftung haben allesamt ermutigende Ergebnisse gezeigt. Selbst kleine Gärten können zu wertvollen Rückzugsgebieten werden, indem man einheimische Blumen pflanzt, Flecken mit unkultiviertem Gras natürlich wachsen lässt und unnötige chemische Behandlungen vermeidet.
Bildnachweis: envato elements; Autor: GreensandBlues; Auch Regierungen können durch die Umsetzung besserer landwirtschaftlicher Strategien und Praktiken helfen, indem sie die Wiederherstellung von Lebensräumen fördern und langfristige wissenschaftliche Überwachung finanzieren. Unternehmen können ihre Abhängigkeit von Pestiziden verringern und die Biodiversität in ihre Landbewirtschaftung einbeziehen. Auch Einzelpersonen können weit mehr tun, als sie sich vorstellen.
Für viele von uns sind Insekten vielleicht nur ein Haufen winziger Krabbeltiere, doch ihre Bedeutung ist absolut enorm. Menschen wissen die Natur selten zu schätzen, bis sie zu verschwinden beginnt. Insekten bilden da keine Ausnahme. Ihr stiller Rückgang ist nicht einfach nur eine belanglose Kuriosität; er ist ein Frühwarnsignal, das uns unmissverständlich zeigt, dass Ökosysteme an Widerstandsfähigkeit verlieren.
Bildnachweis: Unsplash; Autor: Scotty Turner;
Wenn wir diese Warnungen weiterhin ignorieren, werden wir vielleicht alle irgendwann feststellen, dass die kleinsten Lebewesen schon immer die größte Verantwortung trugen. Autofahrer haben ein bemerkenswert gutes Gespür dafür entwickelt, wann es viele Insekten gab. Jetzt stellen sie fest, dass es zu wenige gibt, und das entwickelt sich zu einem sehr besorgniserregenden Trend.







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